Wir sind Fairtrade-School – was heißt das?


Im Rahmen der Weihnachtsfeier 2019 wurde dem OGW offiziell das Siegel „Fairtrade-School“ verliehen – was genau hat es damit auf sich?

Angefangen hatte alles im Schuljahr 2016/17, als die Fairtrade-AG gegründet wurde. Mit einer Handvoll Schülerinnen und Schülern organisierte diese damals einmal pro Monat den Verkauf von fair gehandelten Produkten.  Dabei blieb es aber nicht. Schnell kamen ‚Specials‘ hinzu, Verkäufe bei Veranstaltungen, Informationsstände und besondere Aktionen (siehe dazu die Seite der Nachhaltigkeits-AG). Vor allem aber nahm die Zahl der an der AG Interessierten immer mehr zu, sodass es inzwischen regelmäßig mehr als 20 SchülerInnen sind, die aus allen Klassenstufen, von der 5. bis zur 12. Klasse, daran mitwirken wollen, dass fairer Handel und nachhaltiges Leben immer stärker zu unserem Schulalltag hinzugehören.

Denn genau das ist das Ziel der AG: bei allen am Schulleben Beteiligten – bei SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern – das Bewusstsein für die Bedeutung des fairen Handels zu stärken, d.h. vor allem den Blick für die Herkunft bzw. die Produktionsbedingungen verschiedener Produkte zu schärfen. Allzu häufig, so der Hintergedanke, leben wir hier im reichen Teil Europas auf einer Art Insel der Glückseligen, in einem Elfenbeinturm des Wohlstands, der oft aber nur möglich ist, weil er auf der Ausbeutung anderer Menschen basiert, die jedoch weit weg sind und die wir nur allzu gerne nicht näher kommen lassen wollen. Denn wenn wir genauer hinsehen würden, müssten wir (ein)sehen, dass die relativ niedrigen Preise, die wir für Kaffee, Schokolade und viele andere Produkte, in denen Zutaten aus Ländern des globalen Südens enthalten sind, zahlen, nur möglich sind, weil die Menschen dort unter unwürdigen Bedingungen arbeiten müssen und Spottpreise für ihre Arbeit erhalten – was umso trauriger ist, als wir hier im Allgemeinen ein Wohlstandsniveau erreicht haben, das es uns durchaus erlauben würde, angemessene Preise zu zahlen, vielleicht auch mit dem positiven Nebeneffekt, dass wir dann wieder mehr Wert auf Qualität und Genuss statt auf Quantität und Konsum legen würden.
In der Nachhaltigkeits-AG wollen die SchülerInnen den am Schulleben Beteiligten also zeigen, dass wir selber durch unser Kauf- und Konsumverhalten etwas ändern können an der ungerechten Verteilung von Lebenschancen, Gesundheit und Wohlstand in der Welt. So soll der Blick über den Tellerrand des reichen Zentraleuropas hinaus geweitet werden, um die Herausforderungen der globalisierten Welt zu verstehen und daraus Konsequenzen für unser alltägliches Leben zu ziehen.

Dass dieses Engagement mit dem Fairtrade-School-Siegel offiziell gemacht wurde, erfüllt die Schulgemeinschaft natürlich mit Freude und Stolz. Gleichzeitig soll es aber kein Ruhekissen sein, sondern gerade das Gegenteil: Es soll uns jeden Tag vor Augen führen, dass wir aufgerufen sind und uns als Schulgemeinschaft verpflichtet haben, dieses Ziel der globalen Gerechtigkeit weiterzuverfolgen. So ist dieses Siegel weniger eine statische Errungenschaft als eine dynamische Herausforderung, ein Ansporn für unser Leben im Alltag. Unser Engagement als Schule ist so nicht mehr beliebig und kurzfristig, sondern verpflichtend, langfristig und Teil unseres Selbstverständnisses als Schule, die sich dem Anliegen des fairen Handels verschreibt.

Allerdings lässt sich inzwischen globale Gerechtigkeit nicht mehr isoliert betrachten. Vielmehr wird immer mehr deutlich, wie sehr sie mit anderen Faktoren zusammenhängt, insbesondere mit dem Klimawandel. Wie die ungerechten sozialen Strukturen auf der Welt ist auch dieser v.a. durch unsere Gier nach immer mehr und immer neuen Dingen zu immer billigeren Preisen verursacht – mit verheerenden Konsequenzen nicht nur für unsere Lebensbedingungen, sondern für das gesamte System des Lebens. In wenigen Jahrzehnten haben wir es geschafft, ein seit Millionen von Jahren im Gleichgewicht funktionierendes Ökosystem aus dem Takt und an den Rand des Kollaps zu bringen. Durch Selbstzentriertheit und die Suche nach Macht und Luxus zerstören wir das, was die Grundlage unserer Lebens ist – und gleichzeitig das Recht auf Leben von unzähligen anderen Lebewesen auf der Welt.
Auch dieser Problematik will sich die AG am OGW annehmen, sodass sich die AG einen neuen Namen gegeben hat:  Als „Nachhaltigkeits-AG“ wollen die SchülerInnen wir nicht nur die Sache des fairen Handels vorantreiben, sondern sich auch dafür engagieren, dass unsere Schule so ressourcenschonend wie möglich funktioniert und zu einem Vorbild im Bereich des Umwelt- und Klimaschutzes wird.

Insgesamt hoffen wir damit, dass das OGW zu einer nachhaltigeren Schule wird, in der die Beteiligten ihren Teil an globaler Verantwortung übernehmen, bevor es zu spät ist.

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